Ein Igelleben

Das Bild des Igels scheint ambivalent. Einerseits spricht man vom „Einigeln“, wenn sich jemand zurückzieht. Andererseits symbolisieren die Stacheln eine gewisse Wehrhaftigkeit. Der Igel pikst.

Als ich damals begann, Schritt für Schritt meinen Weg zu gehen – autofrei (später zumindest autoreduziert), umweltschonenderes Verhalten, vegan, plastikreduziert, maschinenreduziert, usw. – , fühlte ich mich recht einsam. Dank des dann aufkommenden Internets und eines Bewusstseinswandels in Teilen der Gesellschaft hat sich das zum Teil gewandelt. Im Umfeld meines „wirklichen“ Lebens ist das allerdings noch etwas anders. Und gewisse Umstände führten schließlich dazu, dass ich sehr müde wurde… Dieser Weg ist anstrengend, und er kam mir zunehmend wie ein sinnloser Kampf vor. Immer wieder gegen den Strom schwimmen. Immer wieder Gegenwind. Sollte ich mir das wirklich alles antun? Vielleicht war ich nah dran, aufzugeben.

Als ich heute morgen mit meinem Hund spazieren ging, sah ich unweit meines Hauses einen überfahrenen Igel auf der Straße. Ein Ruck ging durch mein Herz und durch meinen Kopf.

Mag sein, dass ich mich ab und zu „einigel“, vor allem wenn mir alles zuviel wird. Aber ich freue mich dennoch über die vielen das bequeme Sitzfleisch unserer Gesellschaft piksenden Stacheln; über Menschen, die etwas anders machen, um die Welt ein Stückchen besser werden zu lassen. Wenn ich später mal groß bin, möchte auch so ein Stachel sein. Und ich hoffe, dass ich dann nicht deswegen überfahren werde.

Da geht noch was

Ein Beitrag von Esther war es, der mich daran erinnerte, wie auch ich gestrickt bin …

Meine 80-Liter-Restmülltonne wird von der Müllabfuhr alle vier Wochen geleert. „Geleert“ ist hier eigentlich ein seltsamer Ausdruck, denn die Tonne ist dann jedes mal noch fast leer. Also nahm ich Kontakt mit dem Entsorgungsunternehmen auf, ob es nicht auch kleinere Tonnen oder einen Einsatz für die 80-Liter-Tonne gibt, der das Volumen reduziert. Kleinere Tonnen, so die Antwort, gibt es nicht. Aber solche Reduktions-Einsätze gibt es, allerdings nur für 120-Liter-Restmülltonnen. Ich könnte eine 120-Liter-Tonne kaufen, dazu einen Einsatz, der das Volumen auf 40 Liter reduziert. Also: Eine größere Mülltonne anschaffen, weil ich weniger Müll produziere.

Oder: Seit zehn Jahren sehe ich mich in den örtlichen Geschäften der hiesigen Kleinstadt immer wieder mal nach Müsli in Bio-Qualität um. Das gibt es zwar, aber alle Sorten enthalten stets Honig – was für mich als Veganer nicht in Frage kommt. Also Bio oder vegan – beides geht nicht, wenn ich es fertig gemischt kaufen möchte.

Oder: Der vegane Haselnuss-Schoko-Brotaufstrich in Bio-Qualität und mit TransFair-Siegel, den ich bislang kaufte, ist mit Sonnenblumenöl hergestellt. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich seit einigen Monaten auf Produkte mit Sonnenblumenöl verzichten. Das alternative Produkt enthält Palmöl, worauf ich auch lieber verzichten möchte. Gestern machte ich also den Haselnuss-Schoko-Aufstrich selbst. Vor allem das Mahlen der gerösteten Nüsse war mit Großmutters alter, kleiner Nussmühle zwar heimelig-nostalgisch, aber auch sehr zeitaufwändig und schweißtreibend (ein elektrisches Gerät habe ich dafür nicht, und seit einer Weile vermeide ich die Anschaffung elektrischer Geräte). Bei meinem Zeitmangel ist das auf Dauer keine Lösung.

Oder: Endlich habe ich den idealen Schuh für meine Fußprobleme entdeckt. Mit Zehenfreiheit und Nullabsatzhöhe, dabei anders als meine Barfußschuhe auch einlagentauglich. Allerdings ist dieser Schuh mit Leder hergestellt. Also schrieb ich vergangenes Wochenende den Hersteller (eine deutsche Manufaktur) an, ob sich der Schuh nicht auch vegan herstellen ließe, bzw. überhaupt einige vegane Modelle in das Produktangebot aufgenommen werden könnten. Die Verwendung qualitativ hochwertigen Leders entspräche der Unternehmensphilosophie, heißt es in der heutigen Antwort, und das werde auch künftig der Hauptrohstoff bleiben.

Viele weitere Beispiele solcher Art gäbe es. Und manche Leserinnen und Leser werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Die Lösung solcher Probleme auf unmittelbarer, individueller und psychologischer Ebene gestaltet sich unterschiedlich. Mancher resigniert und passt seine Einstellung den Sachzwängen an (was ich für keine gute Lösung halte). Andere werden hartnäckig kreativ oder gehen auch die Beschränktheit der Möglichkeiten positiv an (was ich beides super finde).

An dieser Stelle wollte ich eigentlich meine Sympathie für die Antwort des daoistischen Wu wei bekunden (das man möglichst nicht mit „Scheiß drauf“ übersetzen sollte). Aber damit würde ich mich wieder einem Aspekt meines Strickmusters annähern, möglichst auch immer eine Patentlösung zu finden. Also bleibt dieser Beitrag ohne meine persönliche Lösung des Problems. Ich wünsche mir halt einfach eine bessere Welt. Und wer weiß, vielleicht ist die Welt ja am Ende tatsächlich mit Widersprüchlichkeiten besser als ohne. Dann wäre schon jetzt alles gut. Allerdings: Da geht noch was…

Fühlend werden, denkend werden

»Der denkend gewordene Mensch erlebt die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegen zu bringen wie dem seinen. Er erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm, Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen. Als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten. Dies ist das denknotwendige, universelle, absolute Grundprinzip des Ethischen.«

Albert Schweitzer

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

»Mit drei Gegnern hat sich die Ethik auseinanderzusetzen: mit der Gedankenlosigkeit, mit der egoistischen Selbstbehauptung und mit der Gesellschaft.«

Albert Schweitzer

Eine Welt

Heute Abend startet im Fernsehen (SAT.1) eine dreiteilige Reihe mit dem Titel „Wir sind Deutschland“. Schon die Vorschau ließ Übelkeit in mir aufsteigen, wie bereits in der jüngeren Vergangenheit das Wiedererwachen des deutschen Nationalbewusstseins bei verschiedenen Anlässen, die das „Deutsche Volk“ von seinem historisch bedingten Schuldkomplex zu befreien schienen.

Doch genau das ist das Problem. Statt wirklich aus der Historie zu lernen und die Chance zu nutzen, das Abgrenzende zu überwinden, wird ein längst schädlich gewordenes anachronistisch-völkisches Revierdenken neu zementiert.

Es ist so offensichtlich, dass ein Umbau der Menschenwelt längst überfällig ist. Wir sind nicht die Deutschen, die Türken, die Amerikaner, die Syrer, … Wir sind die Menschen. Eine der vielen Lebensformen dieses Planeten und dieses Kosmos.

Die ersten, noch halbherzigen Ansätze zur Überwindung der geistigen Enge, wie die Europäische Union oder die Vereinten Nationen sind gut, aber genügen nicht, weil sie im Kern selbst nicht aus dem hinderlichen Abgrenzungsdenken herausfinden. Die neuen Medien, allem voran das Internet, haben hier schon mehr geleistet.

Eine Welt Für das kindische Mein-und-Dein-Gezänke der Weltpolitik ist dieser Planet längst viel zu klein geworden. Es ist an der Zeit, erwachsen zu werden. Für uns alle. Bei allen komplexen globalen Verflechtungen geht den vielen Schritten, die die Menschheit zu gehen hätte, eines voraus: die Weiterentwicklung und Weitung des Bewusstseins. Der notwendige Umbau dieser Welt kann nicht „von oben und außen“ gelingen. Er beginnt im Kopf eines jeden Einzelnen. Hier und jetzt. In mir und dir.

Was flüstert das Gänseblümchen, wenn sich der Rasenmäher nähert?

Wenn ich derzeit, in der fliegenden Hitze des norddeutschen Klimakteriums, morgens um halb sieben im Büro das Fenster öffne, um die im Beton der Wände gespeicherte Hitze des vorangegangenen Arbeitstages gegen die frische Kühle der sich vor der wiederkehrenden Tageshektik drückenden Nacht einzutauschen, dann ist er gleich wieder da: der Tinnitus unserer Gesellschaft.

Es ist eigentlich erstaunlich, wie wenig Bewusstsein für diese Art von Umweltverschmutzung in den meisten von uns entwickelt und gepflegt wird. Vielleicht liegt es daran, dass man Lärm nicht sehen kann, und die Schädigungen meist einen Zeitraum benötigen, den zu überschauen die meisten Menschen seltsamerweise nicht in der Lage sind. Es ist ein Irrtum, zu meinen, Lärm dauere stets nur einen Moment.

Bei welchem Wert liegt eigentlich der durchschnittliche Schalldruckpegel von Marienkäferflatulenzen?

Wie kommt’s?

Menschen, die versuchen, diese Welt ein klein wenig zu verbessern, fühlen sich meist in besonderer Weise nicht nur mit allen Menschen, sondern auch mit den Tieren und der Natur – und manchmal mit dem gesamten Kosmos – verbunden. Diese Verbundenheit ist ein kleiner Vorgeschmack, ein noch verschwommener Blick, auf das Bewusstsein des „Eins-Sein-mit-Allem“, der Nondualität. Solche Begriffe stehen für das Erleben (nicht erdenken) der Überwindung der Subjekt-Objekt-Relation und werden im religiös-spirituellen Kontext mit „Mystik“ überschrieben. Erstaunlicherweise „haben zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Menschen mystische Erfahrungen gemacht – weltweit“ (R. Vaas, M. Blume: Gott, Gene und Gehirn, Verlag Hirzel, Stuttgart 2009). Erstaunlicherweise? Manche Hirnforscher gehen davon aus, dass derartige Erfahrungen im Menschen angelegt sind und grundlegend zum Menschsein dazugehören (Ramachandran, Newberg, Persinger, Schröter-Kunhardt, u.a.). Solche Erfahrungen erschaffen zwar noch nicht das nonduale Bewusstsein, aber sie können Schlüssel und Tür dafür sein. Sie ereignen sich entweder spontan und ungesucht, oder aber auf dem fruchtbaren Boden jahrelangen Meditierens.

So war es auch bei mir. Vor drei Jahrzehnten überfiel mich die erste Erfahrung des „Eins-Seins“, und im Jahre 2003 schließlich gab es den „großen Durchbruch“. Seit dem ist mir vieles einfach nicht mehr möglich, worüber ich vorher nicht mal nachgedacht habe – und einiges möglich, was ich vorher nicht konnte, oder ablehnte.

„Auf der rationalen Stufe (fünfter Drehpunkt) dezentriert oder erweitert sich die Identität erneut, wobei sie jetzt die bloß ethnozentrische oder soziozentrische Identität transzendiert und zu einer postkonventionellen oder weltzentrischen Identität gelangt. Man identifiziert sich jetzt aus einer globalen Perspektive. Man kann nicht mehr als ethnozentrisches Wesen existieren oder sich als solches identifizieren. Es schmerzt, nur ethnozentrisch zu sein. Ethnozentrische Reden empfindet man als peinlich. Man hat sich erneut dezentriert, erneut transzendiert. Die jetzige Identität bewegt sich in und existiert dank einem weltzentrischen oder globalen Bewußtsein, einer Identität im Kreis aller Menschen.
Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt, um seine zentrale Identität nicht nur mit allen Menschen, sondern mit allen Lebewesen wirklich zu erfahren. Das globale oder weltzentrische Bewußtsein macht einfach einen weiteren Schritt nach vorn, entrinnt seinem anthropozentrischen Vorurteil und verkündet sich als alle fühlenden Wesen. Dies ist das Erlebnis der Weltseele.
Von der Weltzentriertheit zur Weltseele ist es also nur noch ein relativ kleiner Schritt, wenn man bedenkt, was auf dem Wege zur Erweiterung der Bewußtseinsidentität schon alles geschehen ist. Es ist nichts weiter als die natürliche Forstsetzung des evolutionären Prozesses des Transzendierens und Einschließens, des Ausfaltens und Einfaltens. Jede Emergenz ist ein Dezentrieren, eine Transzendenz, die feststellt, daß wieder ein Stück mehr der „äußeren Welt“ in Wirklichkeit „innerlich“, Teil des eigenen Wesens ist.
Moleküle erwachten eines Morgens und stellten fest, daß in ihnen Atome waren, in ihrem Wesen beschlossen. Zellen erwachten eines Morgens und stellten fest, daß Moleküle als Teil ihres Wesens in ihnen waren. Und vielleicht erwachen auch Sie eines Morgens und stellen fest, daß die Natur ein Teil von Ihnen ist, buchstäblich im Inneren Ihres Wesens. Sie sind nicht Teil der Natur – die Natur ist Teil von Ihnen. Und aus diesem Grund gehen Sie mit der Natur nicht anders um, als Sie mit Ihren Lungen oder Ihren Nieren umgehen würden. Eine spontane Umweltethik brandet in Ihrem Herzen auf, und Sie werden einen Fluß, ein Blatt, ein Reh, einen Zaunkönig niemals mehr mit denselben Augen sehen.
Dies klingt vielleicht ein wenig verrückt und seltsam – bis man selbst diese Erfahrung macht.

Ken Wilber, Eine kurze Geschichte des Kosmos, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1997/2011, S. 264 f

Ja, das klingt vielleicht ein wenig verrückt und seltsam. Aber das ist der Grund, warum mich so vieles auf der Welt so sehr „angeht“, obwohl es mich doch eigentlich nichts angeht. Das lässt sich ebensowenig abstellen, wie ich meine Lungen oder Nieren einfach abstellen könnte. Auch wenn Lungen oder Nieren manchmal weh tun: Es lässt sich gut damit leben, wenn man erkennt, wie grundlegend Lungen und Nieren für mein eigenes Leben sind.


Dieser Beitrag ist einem geliebten Menschen gewidmet, der sich Sorgen macht, mein „inneres Engagement“ könne mich kaputt machen. Vielleicht kann aber auch die/der ein oder andere etwas damit anfangen.


Sag mal, übertreibst du es nicht?

Ein Gespräch über Ethik

T: Sag mal, übertreibst du es nicht ein bisschen mit allem?

S: Nun ja, wenn du von Übertreibung sprichst, zeigt das, dass du mein Verhalten an einem Durchschnitt, einer „Norm“, also an Normalität, an dem, was die meisten Leute tun, bemisst. So gesehen hast du recht.

T: Warum tust du es dann?

S: Weil ich selbst mein Verhalten nicht danach ausrichte, was normal ist, also was die anderen tun, sondern an einer ethischen Positionierung.

T: Willst du damit sagen, ich sei nicht ethisch?

S: Das habe ich nicht sagen wollen. Ethik und Moral sind nicht das gleiche. Ethik ist Moralphilosophie, also das Nachdenken über Moral.

T: Du hast also über Moral nachgedacht und bist zu dem Schluss gekommen, die Moral der meisten Leute sei für dich falsch?

S: Ja und nein. Schau, die meisten Leute denken nicht, oder nicht sehr viel, über Moral nach. Die Moral bildet sich somit oft nur aus einem unbewussten Konsens, gepaart mit kulturellen Prägungen heraus. Daher verhalten sich viele Menschen durchaus moralisch im Sinne dieses Konsens, aber ethisch hält das oft nicht Stand. Weiterlesen

Verzichtspotential


Käfer auf Asphalt.

Blaue Flügel leuchten mir

Wärme auf die Haut.


„Ich will doch auch leben.“ Dieser wiederholt gehörte Satz sollte an dieser Stelle eigentlich als Einleitung zu einem Nachdenken über Verzichtspotential und die insoweit bedeutsamen psychologischen Mechanismen dienen. Doch die obige Haiku-Notiz aus meinem Tagebuch 2014 genügt, um alles zu sagen. Zumindest für wache Menschen.

Stilfrage

„Ich habe keine Argumente. Das ist eben so!“

Fast hätte ich mich mit der Gastgeberin gestritten, als sich das Thema in das Gespräch hineinschlich und ich dazu meine Meinung äußerte. Sie ist Akademikerin, nicht ungebildet, intelligent. Und dann dieser Satz von ihr… Zorn stieg in mir auf.

Die Verantwortung, die wir haben, in unserem Denken und Handeln auch zu übernehmen, ist eben keine Frage von Bildungsstand und Intelligenz, sondern von Bewusstsein.

Der Zorn in mir ist nicht verursacht durch einen bestimmten Bewusstseinsstand eines Menschen – denn Bewusstseinsentwicklung ist ein Unterwegssein -, sondern durch dessen Weigerung, sein Bewusstsein zu entwickeln und zu weiten, sich also überhaupt auf den Weg zu machen. Denn das Potential dafür ist bei den allermeisten Menschen vorhanden. Und auch der Grund für die Notwendigkeit. Denn in direkter Konfrontation mit Leid zeigt sich bei den meisten Menschen Empathie und ein Ruf nach Abhilfe. Doch das versetzt in Unruhe. Also meidet (und vergisst) man solche Konfrontation lieber. Für mich ist das eine besonders schlimme Form des Egoismus, weil er räumlich und zeitlich so weite Kreise mit verheerenden Folgen nach sich zieht. Im kleineren Kreis der Familie und Freunde (und vielleicht noch der eigenen Nation) können wir uns höchst sozial zeigen. Doch alles andere – den größeren Kreis – blenden wir aus (oder schieben die „Schuld“ auf die Politik und Wirtschaft und vergessen es dann möglichst schnell wieder).

Ein zu voller Teller verhindert manchmal,
dass man über den Tellerrand blicken kann.
Sonst würde man sehen,
wie viele andere Teller leer sind.

Bewusstseinsentwicklung ist für mich eines der Hauptthemen meiner Spiritualität. Aber eben nicht in einer egozentrischen Ausprägung von „Wellness- und Kuschelspiritualität“, sondern integral, also im Hinblick auf das Ich und das Wir, das Subjektive und das Intersubjektive, das Individuelle und das Kollektive, das Innere und das Äußere, das Objektive und das Interobjektive. Die fast lebenslange Beschäftigung damit (und ich werde in Kürze 50 Jahre alt) hat mir gezeigt, dass die meisten Menschen durchaus „das Gute für alle“ wollen. Doch bei diesem Wunsch bleibt es zumeist. Und das macht mich zornig in Anbetracht der Folgen.

Wie soll man mit einem solchen Zorn umgehen, wenn man der Meinung ist, Änderungen seien notwendig?

 

 

Darf der das?

Humor ist eine gute Art, etwas zu vermitteln. Auch krasser Humor. Das ist richtig.

Manche hingegen vertreten die Ansicht, man dürfe die Leute nicht vor den Kopf stoßen und vergraulen; besser sei, klug zu taktieren, diplomatisch und sachlich zu argumentieren. So z.B. die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Das ist richtig.

Andere vertreten die Auffassung, man müsse die Menschen immer wieder so richtig durchschütteln, bis sie aufwachen. Das ist richtig.

Gut und richtig ist auch, das alles zu kombinieren.

Alles richtig? Ja. Selbstverständlich sollte man differenzieren, muss es insgesamt aber nicht so kompliziert machen. So wie es verschiedene Arten des Aufwachens gibt, gibt es auch verschiedene Arten des Aufweckens. Das ist meine Lebenserfahrung. Und man darf den Leuten durchaus auch mal auf die Füße treten (wenn man bereit ist, sich auch selbst auf die Füße treten zu lassen).

Die Sache mit dem Bewusstsein auf der Empfängerseite bleibt natürlich. Bin ich bereit, auch das zu sehen, was ich lieber nicht sehen möchte?