Henosis

Wie klingt deine Seele?

Kann ich sie hören,
wenn ich ganz still bin,
leerer Raum
für Widerhall?

Muss ich erst erlöschen
in das lichte Sein,
wo Seelenklänge sich vereinen
zu unerhörter Musik?

Warum sehnt sich meine Seele
so sehr
schon jetzt
nach dem Klang der deinen?

 

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Mein Awardschluss und dein Schlusswort

Zum Schluss meiner „Award-Reihe“ ist es nun also an mir, zu fragen und zu nominieren. Dabei möchte ich von den diesjährigen Spielregeln leicht abweichen.

Schon lange habe ich den Gedanken, eine bestimmte Frage öffentlich zu stellen und die Antworten (meinerseits unkommentiert) zusammenzutragen. Ich stelle also nur eine einzige Frage und bitte nicht nur die unten nominierten Blogs, sondern Sie / euch alle, eine Antwort zu geben.

Antworten können Sie / könnt ihr über einen Beitrag in Ihrem / eurem eigenen Blog (bitte dann eine Nachricht an mich oder ein Pingback), oder hier über die Kommentarfunktion.

Ich hoffe es kommen genug Antworten zusammen – ob persönlich oder politisch, religiös oder spirituell, allgemein oder als eine spezielle Herzensangelegenheit, als Gebet oder als Fluch, an die ganze Welt gerichtet oder an bestimmte Menschen… Es macht auch nichts, wenn sich Inhalte wiederholen. Irgendwann möchte ich die Antworten in „gebündelter Form“ wiedergeben…

Es ist diese Frage, zu der ich Sie/euch um Antwort bitte:


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Stell dir vor du wüsstest, dass du im nächsten Moment sterben wirst. Was wären deine letzten Worte an die Welt, was wäre deine Botschaft für die Menschen?

Suppose you knew you were going to die in the next moment, what would be your last words to the world, what would be your message to the people?


Und hier meine Nominierungen für den liebster-Blog-Award 2016:

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Fünf bis Acht

Nun der zweite Teil meiner Antworten auf die gestellten Fragen.

5. Hast du eine Lieblingsserie? Welche?

Nicht wirklich. Gerne sehe ich z.B. die Reihen scobel und Bergwelten.

6. Gibt es etwas, was du in deinem bisherigen Leben anders machen würdest?

Wenn das nicht so wäre, hätte ich aufgehört zu lernen. Fast täglich geschieht etwas, was ich künftig anderes machen würde. Ob das nun versalzene Kartoffeln oder versalzene Lebensentscheidungen betrifft.

7. Was würdest du gerne mal tun, hast dich aber (noch) nicht getraut, es umzusetzen?

So wie die Frage wohl gemeint ist, würde ich sagen, dass es da nichts gibt.

Wenn ich etwas nicht tue, obwohl ich es gerne würde, habe ich normalerweise meine Gründe dafür.

8. Betreibst du aktiven Umweltschutz und wenn ja, wie?

In erster Linie versuche ich durch meine Lebensführung etwas zu tun (vegan, plastikreduziert, chemiereduziert, lärmreduziert, autoreduziert, konsumreduziert, ausreichend „Wildnis“ im eigenen Garten, usw.). Daneben durch „Bewusstseinsarbeit“ in Gesprächen, wenn es sich ergibt, oder manchmal in meinem Blog. Zugegeben: Es könnte mehr sein.

 

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Der Mensch ist nicht das Zentrum der Welt, die „um“ ihn herum ist wie eine Kulisse oder ein Selbstbedienungsladen. Er ist nur ein Teil von vielen Teilen, die zusammen ein Ganzes bilden. Deswegen gefällt mir übrigens der Begriff „Mitwelt“ auch besser als der Begriff „Umwelt“.

Mitweltschutz sollte nicht ein Zusatz wie die Kerze auf der Torte sein, sondern eine Grundstruktur menschlicher Lebensführung. Das ist eigentlich banal und sollte heutzutage unmittelbar einleuchten. Dass das dennoch so schlecht gelingt (auch bei mir), hängt mit der menschlichen Psyche zusammen. Insbesondere die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit (eine Folge: Besitz) und Energieersparnis (eine Folge: Bequemlichkeit) lassen sich nur selten rechtzeitig stoppen, wenn das rechte Maß erreicht ist, einfach weil diese Motivationen unseres Handels uns zumeist nicht bewusst sind. Auch deswegen ist es so wichtig, das eigene Bewusstsein weiterzuentwickeln und wach zu halten.

Ein Igelleben

Das Bild des Igels scheint ambivalent. Einerseits spricht man vom „Einigeln“, wenn sich jemand zurückzieht. Andererseits symbolisieren die Stacheln eine gewisse Wehrhaftigkeit. Der Igel pikst.

Als ich damals begann, Schritt für Schritt meinen Weg zu gehen – autofrei (später zumindest autoreduziert), umweltschonenderes Verhalten, vegan, plastikreduziert, maschinenreduziert, usw. – , fühlte ich mich recht einsam. Dank des dann aufkommenden Internets und eines Bewusstseinswandels in Teilen der Gesellschaft hat sich das zum Teil gewandelt. Im Umfeld meines „wirklichen“ Lebens ist das allerdings noch etwas anders. Und gewisse Umstände führten schließlich dazu, dass ich sehr müde wurde… Dieser Weg ist anstrengend, und er kam mir zunehmend wie ein sinnloser Kampf vor. Immer wieder gegen den Strom schwimmen. Immer wieder Gegenwind. Sollte ich mir das wirklich alles antun? Vielleicht war ich nah dran, aufzugeben.

Als ich heute morgen mit meinem Hund spazieren ging, sah ich unweit meines Hauses einen überfahrenen Igel auf der Straße. Ein Ruck ging durch mein Herz und durch meinen Kopf.

Mag sein, dass ich mich ab und zu „einigel“, vor allem wenn mir alles zuviel wird. Aber ich freue mich dennoch über die vielen das bequeme Sitzfleisch unserer Gesellschaft piksenden Stacheln; über Menschen, die etwas anders machen, um die Welt ein Stückchen besser werden zu lassen. Wenn ich später mal groß bin, möchte auch so ein Stachel sein. Und ich hoffe, dass ich dann nicht deswegen überfahren werde.

Da geht noch was

Ein Beitrag von Esther war es, der mich daran erinnerte, wie auch ich gestrickt bin …

Meine 80-Liter-Restmülltonne wird von der Müllabfuhr alle vier Wochen geleert. „Geleert“ ist hier eigentlich ein seltsamer Ausdruck, denn die Tonne ist dann jedes mal noch fast leer. Also nahm ich Kontakt mit dem Entsorgungsunternehmen auf, ob es nicht auch kleinere Tonnen oder einen Einsatz für die 80-Liter-Tonne gibt, der das Volumen reduziert. Kleinere Tonnen, so die Antwort, gibt es nicht. Aber solche Reduktions-Einsätze gibt es, allerdings nur für 120-Liter-Restmülltonnen. Ich könnte eine 120-Liter-Tonne kaufen, dazu einen Einsatz, der das Volumen auf 40 Liter reduziert. Also: Eine größere Mülltonne anschaffen, weil ich weniger Müll produziere.

Oder: Seit zehn Jahren sehe ich mich in den örtlichen Geschäften der hiesigen Kleinstadt immer wieder mal nach Müsli in Bio-Qualität um. Das gibt es zwar, aber alle Sorten enthalten stets Honig – was für mich als Veganer nicht in Frage kommt. Also Bio oder vegan – beides geht nicht, wenn ich es fertig gemischt kaufen möchte.

Oder: Der vegane Haselnuss-Schoko-Brotaufstrich in Bio-Qualität und mit TransFair-Siegel, den ich bislang kaufte, ist mit Sonnenblumenöl hergestellt. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich seit einigen Monaten auf Produkte mit Sonnenblumenöl verzichten. Das alternative Produkt enthält Palmöl, worauf ich auch lieber verzichten möchte. Gestern machte ich also den Haselnuss-Schoko-Aufstrich selbst. Vor allem das Mahlen der gerösteten Nüsse war mit Großmutters alter, kleiner Nussmühle zwar heimelig-nostalgisch, aber auch sehr zeitaufwändig und schweißtreibend (ein elektrisches Gerät habe ich dafür nicht, und seit einer Weile vermeide ich die Anschaffung elektrischer Geräte). Bei meinem Zeitmangel ist das auf Dauer keine Lösung.

Oder: Endlich habe ich den idealen Schuh für meine Fußprobleme entdeckt. Mit Zehenfreiheit und Nullabsatzhöhe, dabei anders als meine Barfußschuhe auch einlagentauglich. Allerdings ist dieser Schuh mit Leder hergestellt. Also schrieb ich vergangenes Wochenende den Hersteller (eine deutsche Manufaktur) an, ob sich der Schuh nicht auch vegan herstellen ließe, bzw. überhaupt einige vegane Modelle in das Produktangebot aufgenommen werden könnten. Die Verwendung qualitativ hochwertigen Leders entspräche der Unternehmensphilosophie, heißt es in der heutigen Antwort, und das werde auch künftig der Hauptrohstoff bleiben.

Viele weitere Beispiele solcher Art gäbe es. Und manche Leserinnen und Leser werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Die Lösung solcher Probleme auf unmittelbarer, individueller und psychologischer Ebene gestaltet sich unterschiedlich. Mancher resigniert und passt seine Einstellung den Sachzwängen an (was ich für keine gute Lösung halte). Andere werden hartnäckig kreativ oder gehen auch die Beschränktheit der Möglichkeiten positiv an (was ich beides super finde).

An dieser Stelle wollte ich eigentlich meine Sympathie für die Antwort des daoistischen Wu wei bekunden (das man möglichst nicht mit „Scheiß drauf“ übersetzen sollte). Aber damit würde ich mich wieder einem Aspekt meines Strickmusters annähern, möglichst auch immer eine Patentlösung zu finden. Also bleibt dieser Beitrag ohne meine persönliche Lösung des Problems. Ich wünsche mir halt einfach eine bessere Welt. Und wer weiß, vielleicht ist die Welt ja am Ende tatsächlich mit Widersprüchlichkeiten besser als ohne. Dann wäre schon jetzt alles gut. Allerdings: Da geht noch was…

Diese ganz normalen Tage

Es sind diese ganz normalen Tage, an denen gänsehauttrübes Winterwetter Wärme verströmt.
Es sind diese ganz normalen Tage, an denen aus der Tiefe einer altersmüden Hautfalte Schönheit leuchtet.
Es sind diese ganz normalen Tage, an denen auf einem im Herbst vertrockneten Blatt im Schmutz am Straßenrand Wahrheit geschrieben steht.
Es sind diese ganz normalen Tage, an denen aus jedem Regentropfen, wenn er auf die Nase klatscht, ein wenig Freude spritzt.
Es sind diese ganz normalen Tage, an denen ein alter Besen nicht nur Staub, sondern genauso viel Glück aufwirbelt.
Es sind diese ganz normalen Tage, an denen ein Gähnen Erkenntnis schenkt,
und eine ungewaschene Socke Liebe.

 
Leben

 

 

Ein geöffnetes Herz hat ein Gefälle.

Ohne  Zutun und Anstrengung

fließt alles hinein und hindurch,

aus der einen Quelle des Lebens.

 

 

Fühlend werden, denkend werden

»Der denkend gewordene Mensch erlebt die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegen zu bringen wie dem seinen. Er erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm, Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen. Als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten. Dies ist das denknotwendige, universelle, absolute Grundprinzip des Ethischen.«

Albert Schweitzer

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

»Mit drei Gegnern hat sich die Ethik auseinanderzusetzen: mit der Gedankenlosigkeit, mit der egoistischen Selbstbehauptung und mit der Gesellschaft.«

Albert Schweitzer

Großvater

Dieses Jahre wäre mein Großvater 134 Jahre alt geworden. Die Erzählungen über ihn kannte ich schon länger, aber erst vor wenigen Jahren sah ich zum ersten mal die zu diesen Geschichten und zu diesem Menschen gehörenden amtlichen Dokumente, angefangen vom Taufschein seiner Großeltern aus dem Jahre 1804…

Im ersten Weltkrieg als Regimentsschreiber reich dekoriert, wurde er ein aufrechter preußischer Beamter. Im „Dritten Reich“ hatte er sich öffentlich gegen Hitler und die NSDAP geäußert, wurde verhaftet und kam in ein Konzentrationslager. Der Aussage des Landrates in den Papieren konnte ich entnehmen, dass er anlässlich einer Amnestie zu Hitlers fünfzigstem Geburtstag wieder frei kam. Doch von den gesundheitlichen Folgen der Inhaftierung erholte er sich zeit seines Lebens nicht mehr. Dennoch hielt er auch in der jungen DDR wieder nicht seinen Mund, und musste nach dem Verrat durch einen seiner eigenen Söhne erneut mit seiner Familie in einer Nacht- und Nebelaktion in den Westen fliehen.

Wie gerne hätte ich ihn kennengelernt, seinen Geschichten zugehört, vom Leben vor dem ersten Weltkrieg, seiner Zeit als von den Alliierten eingesetzter Bürgermeister, von der Vertreibung aus Schlesien und der großen Flucht, von der Hungersnot, von der Armut, weil die BRD ihm keinen Pensionsanspruch zugestehen wollte, … Doch er starb einige Jahre vor meiner Geburt.

Ich trage übrigens seinen Namen: Stefan. Es muss in den frühen 1930er Jahren gewesen sein, als in irgendeinem amtlichen Vorgang sein Name einmal in der Schreibweise „Stephan“ vermerkt wurde. Und da das preußische Beamtentum niemals irrte, musste es bei dieser Schreibweise bleiben. So steht noch heute auf seinem Grabstein Großvaters Name anders als in seinem Taufschein.

Aus der Mode gekommen

Man ist erfolgreich. Man setzt sich durch und behauptet sich. Selbstbewusst und stark. Frechheit siegt. Spitze Ellenbogen. Man hält mit. Man ist modisch, geizig und selbstverwirklicht. Gesunder Egoismus. Schließlich ist man auch etwas wert. Oft mehr als andere. Niedermachen ist schick. Man ist wer. Man will doch auch leben. Und zwar individuell. Ein guter Mensch ist man trotz alledem. Kalkül wird versteckt. Auch vor sich selbst.

Sie ist aus der Mode gekommen: Die Demut. Manchmal mit Bezug auf den Wortursprung (ahd. diomuoti, mhd. diemüete – dienstwillig, dienstgesinnt) auch Dienmut genannt.

Mut zum Dienen? Ja. Dienen ohne Kalkül braucht Mut. Den Mut, sich entgegen dem Trend der Masse wirklich selbst loszulassen, statt sich trendig von der Masse lose selbstverwirklichen zu lassen.

Und Mut im alten Sinne des Wortes: Sinn. Dienen macht Sinn. Dienen schenkt Sinn. Dienen: Anderen Menschen, oder Tieren, der Umwelt, oder dem Frieden, der Gerechtigkeit, oder der Freiheit, dem Leben, oder Gott (auch aus der Mode gekommen). Dienen als Sinngebung, als Ge-sinn-ung.

Demut bedeutet keine Selbstentwertung. Jeder, der auch nur einmal im Leben richtig liebte, weiß das. Denn hinter der Demut steht die Liebe. Liebe richtet auf. Den geliebten Menschen wie den liebenden Menschen. Ist das mein Nutzen der Demut? Falsche Frage. Wer in der Liebe die Kosten-Nutzen-Rechnung aufmacht, hat schon verloren. Und zwar die Wahrheit der Liebe.

Und Demut bedeutet auch keine völlige Selbstaufgabe. Sich loslassen ist etwas anderes als sich aufgeben. Das musste selbst Mutter Teresa als erstes lernen. Man würde verbrennen wie ein Strohfeuer. Um ein Feuer, das andere lange zu wärmen vermag, muss man sich kümmern.

Ich bin nicht besser als andere. Zu oft fehlt mir Mut und Sinn, mich selbst loszulassen. Aber ich bin altmodisch.

Existenzphilosophie

Klee

 

 

 

Ist es Hochmut vom Klee,
wenn er lieber als Schmetterling lebt?

 

 


Diesen Klee habe ich vor einigen Jahren im Wald entdeckt und schon einmal mit der genannten Frage verknüpft. Bis heute habe ich darauf keine Antwort gefunden…

Verstummen

Vor fünf Jahren notierte ich in meinem damaligen Blog unter der Überschrift „Tiefe“:

„Ich werde für Sie beten. Glauben Sie an Gott? Bei Ihnen könnte ich mir das vorstellen. Nichts mache ich ohne Gott.“ sagte sie, ohne wirklich meine Antwort abzuwarten..

Da stand ich nun vor dieser fremden, wunderlichen, alten Dame, die es vermeidet, ihr Haus zu verlassen, hatte mehrmals einen Kloß im Hals und kämpfte mit den Tränen, als sie ihr halbes Leben vor mir ausbreitete und mir ihre Gefühle offenlegte. Dabei wollte ich ihr eigentlich nur ihr gestern entlaufenes Hündchen wiederbringen.

Große Begegnungen finden oft im Kleinen, Verborgenen statt. Zum Beispiel in Hauseingangsfluren.“

Gestern ging ich an ihrem Haus vorbei. In dem verwilderten Vorgarten steht nun ein Schild mit der Aufschrift „Zu verkaufen“.