Da geht noch was

Ein Beitrag von Esther war es, der mich daran erinnerte, wie auch ich gestrickt bin …

Meine 80-Liter-Restmülltonne wird von der Müllabfuhr alle vier Wochen geleert. „Geleert“ ist hier eigentlich ein seltsamer Ausdruck, denn die Tonne ist dann jedes mal noch fast leer. Also nahm ich Kontakt mit dem Entsorgungsunternehmen auf, ob es nicht auch kleinere Tonnen oder einen Einsatz für die 80-Liter-Tonne gibt, der das Volumen reduziert. Kleinere Tonnen, so die Antwort, gibt es nicht. Aber solche Reduktions-Einsätze gibt es, allerdings nur für 120-Liter-Restmülltonnen. Ich könnte eine 120-Liter-Tonne kaufen, dazu einen Einsatz, der das Volumen auf 40 Liter reduziert. Also: Eine größere Mülltonne anschaffen, weil ich weniger Müll produziere.

Oder: Seit zehn Jahren sehe ich mich in den örtlichen Geschäften der hiesigen Kleinstadt immer wieder mal nach Müsli in Bio-Qualität um. Das gibt es zwar, aber alle Sorten enthalten stets Honig – was für mich als Veganer nicht in Frage kommt. Also Bio oder vegan – beides geht nicht, wenn ich es fertig gemischt kaufen möchte.

Oder: Der vegane Haselnuss-Schoko-Brotaufstrich in Bio-Qualität und mit TransFair-Siegel, den ich bislang kaufte, ist mit Sonnenblumenöl hergestellt. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich seit einigen Monaten auf Produkte mit Sonnenblumenöl verzichten. Das alternative Produkt enthält Palmöl, worauf ich auch lieber verzichten möchte. Gestern machte ich also den Haselnuss-Schoko-Aufstrich selbst. Vor allem das Mahlen der gerösteten Nüsse war mit Großmutters alter, kleiner Nussmühle zwar heimelig-nostalgisch, aber auch sehr zeitaufwändig und schweißtreibend (ein elektrisches Gerät habe ich dafür nicht, und seit einer Weile vermeide ich die Anschaffung elektrischer Geräte). Bei meinem Zeitmangel ist das auf Dauer keine Lösung.

Oder: Endlich habe ich den idealen Schuh für meine Fußprobleme entdeckt. Mit Zehenfreiheit und Nullabsatzhöhe, dabei anders als meine Barfußschuhe auch einlagentauglich. Allerdings ist dieser Schuh mit Leder hergestellt. Also schrieb ich vergangenes Wochenende den Hersteller (eine deutsche Manufaktur) an, ob sich der Schuh nicht auch vegan herstellen ließe, bzw. überhaupt einige vegane Modelle in das Produktangebot aufgenommen werden könnten. Die Verwendung qualitativ hochwertigen Leders entspräche der Unternehmensphilosophie, heißt es in der heutigen Antwort, und das werde auch künftig der Hauptrohstoff bleiben.

Viele weitere Beispiele solcher Art gäbe es. Und manche Leserinnen und Leser werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Die Lösung solcher Probleme auf unmittelbarer, individueller und psychologischer Ebene gestaltet sich unterschiedlich. Mancher resigniert und passt seine Einstellung den Sachzwängen an (was ich für keine gute Lösung halte). Andere werden hartnäckig kreativ oder gehen auch die Beschränktheit der Möglichkeiten positiv an (was ich beides super finde).

An dieser Stelle wollte ich eigentlich meine Sympathie für die Antwort des daoistischen Wu wei bekunden (das man möglichst nicht mit „Scheiß drauf“ übersetzen sollte). Aber damit würde ich mich wieder einem Aspekt meines Strickmusters annähern, möglichst auch immer eine Patentlösung zu finden. Also bleibt dieser Beitrag ohne meine persönliche Lösung des Problems. Ich wünsche mir halt einfach eine bessere Welt. Und wer weiß, vielleicht ist die Welt ja am Ende tatsächlich mit Widersprüchlichkeiten besser als ohne. Dann wäre schon jetzt alles gut. Allerdings: Da geht noch was…

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9 Kommentare zu “Da geht noch was

  1. Hallo Stefan!

    „Hartnäckig kreativ“ – schöne Umschreibung, danke schön! Aber es stimmt schon irgendwie.

    Mit dem Thema Schuhe habe ich mir vor einiger Zeit gemeinsam mit meiner Tochter auseinander gesetzt. Sie hatte zuletzt nur vegane Schuhe hat sich nun jedoch bewusst für Leder entschieden. Und zwar deshalb, weil sie auch Plastik vermeiden möchte und dann darf man nur noch barfuss laufen 😦

    Also hat sie sich beim Geschäft erkundigt und ihr wurde mitgeteilt, dass es sich zu 100% um Abfall-Leder aus der Nahrungsmittelindustrie handelt. Unter dem Aspekt hat sie sich dann doch dazu entschlossen.

    Ist ja schon ein schwieriges Thema finde ich. Das Problem mit der Restmülltonne habe ich auch. Ich bezahle 13 Müllabfuhren pro Jahr (alle 4 Wochen) und bringe in Summe nicht einmal 1 Mülltonne voll. Aber es nutzt nix – um den Mülltourismus zu vermeiden, gibt es ein Mindestvolumen, das nicht unterschritten werden darf. Sonst besteht die Gefahr, dass die Leute ihren Müll irgendwo entsorgen, was noch schlechter für die Umwelt ist.

    Wie so oft ist die mangelnde Disziplin und das Geld Schuld daran…

    Achja – Schokocreme mache ich auch selbst, allerdings schon mit einem elektrischen Gerät und leider doch nicht vegan.

    lg
    Maria

    Gefällt 3 Personen

  2. Hallo Stefan,
    schön, dass ich ein kleines Fünkchen zu deinem kurzweiligen Beitrag leiseten konnte. Danke fürs Verlinken. Ich finde es so schlimm, dass es genau so ist, wie du das beschrieben hast und doch freue ich mich sehr, dass ich mit dem Austausch hier, Menschen gefunden habe, die sich eben auch über das Dilemma von vegan – oder Plastik, fair oder vegan oder mit Palmöl, neues anschaffen um am Ende weniger zu haben beschäftigen.
    Hartnäckig kreativ ist schön formuliert! Ich lasse die Schokocreme im Moment einfach weg – selbstmachen ist immer eine schöne Alternative. Aber auch da hast du vollkommen recht: Die Zeit fehlt für den Katalog an Produkten, die selbst hergestellt werden müssen. Einen schönen Abend! Esther

    Gefällt 2 Personen

    • Ich danke dir, Esther.
      Ja, seit ich diesen Blog gestartet habe, bin auch ich auf so viele interessante Blogs und Ideen gestoßen, dass ich meine link-Seite (Blogroll) irgendwann offline gestellt habe, weil ich mit dem Verlinken gar nicht mehr nachkam. Man findet sich auch so, und zieht auf diese Weise Kreise.
      Auch dir einen schönen Abend, und liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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