Aus der Mode gekommen

Man ist erfolgreich. Man setzt sich durch und behauptet sich. Selbstbewusst und stark. Frechheit siegt. Spitze Ellenbogen. Man hält mit. Man ist modisch, geizig und selbstverwirklicht. Gesunder Egoismus. Schließlich ist man auch etwas wert. Oft mehr als andere. Niedermachen ist schick. Man ist wer. Man will doch auch leben. Und zwar individuell. Ein guter Mensch ist man trotz alledem. Kalkül wird versteckt. Auch vor sich selbst.

Sie ist aus der Mode gekommen: Die Demut. Manchmal mit Bezug auf den Wortursprung (ahd. diomuoti, mhd. diemüete – dienstwillig, dienstgesinnt) auch Dienmut genannt.

Mut zum Dienen? Ja. Dienen ohne Kalkül braucht Mut. Den Mut, sich entgegen dem Trend der Masse wirklich selbst loszulassen, statt sich trendig von der Masse lose selbstverwirklichen zu lassen.

Und Mut im alten Sinne des Wortes: Sinn. Dienen macht Sinn. Dienen schenkt Sinn. Dienen: Anderen Menschen, oder Tieren, der Umwelt, oder dem Frieden, der Gerechtigkeit, oder der Freiheit, dem Leben, oder Gott (auch aus der Mode gekommen). Dienen als Sinngebung, als Ge-sinn-ung.

Demut bedeutet keine Selbstentwertung. Jeder, der auch nur einmal im Leben richtig liebte, weiß das. Denn hinter der Demut steht die Liebe. Liebe richtet auf. Den geliebten Menschen wie den liebenden Menschen. Ist das mein Nutzen der Demut? Falsche Frage. Wer in der Liebe die Kosten-Nutzen-Rechnung aufmacht, hat schon verloren. Und zwar die Wahrheit der Liebe.

Und Demut bedeutet auch keine völlige Selbstaufgabe. Sich loslassen ist etwas anderes als sich aufgeben. Das musste selbst Mutter Teresa als erstes lernen. Man würde verbrennen wie ein Strohfeuer. Um ein Feuer, das andere lange zu wärmen vermag, muss man sich kümmern.

Ich bin nicht besser als andere. Zu oft fehlt mir Mut und Sinn, mich selbst loszulassen. Aber ich bin altmodisch.

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5 Kommentare zu “Aus der Mode gekommen

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