Die Utopie von Scham und Schande

Als ich vor etwa einem Jahrzehnt begann, vegan zu leben, wusste nur eine Minderheit in Deutschland, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Der Anteil vegan lebender Menschen in diesem Land wurde seinerzeit auf nur ca. 0,1 % geschätzt. Veganer galten als extreme Spinner, kurz vor dem geistigen und körperlichen Kollaps.

Seit dem hat sich in Gesellschaft, Wirtschaft und Medien viel getan. Der Anteil vegan lebender Menschen wird heute durchschnittlich auf 1 % der Bevölkerung geschätzt – das ist eine Verzehnfachung! -, und mit den begrifflichen und inhaltlichen Hintergründen wird sich bereits eine Mehrheit der Bevölkerung zumindest am Rande beschäftigt haben. Vegane Produkte gibt es bereits in jedem Supermarkt und ein veganer Lebensstil ist unproblematisch geworden. Die vegane Ernährung gilt darüber hinaus nach der überwiegenden Studienlage sogar als deutlich gesünder als eine „konventionelle“ Ernährung.

Dieser Fortschritt ist höchst erfreulich. Höchst erstaunlich andererseits ist, dass in Anbetracht der breiten Wissensvermittlung über Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Leid (bei Menschen wie für die Tiere), Gesundheit, Umwelt, Klimaschutz, usw., der Veganismus nicht längst von einer breiten Mehrheit unserer Gesellschaft praktiziert wird. Aber das betrifft ja nicht nur den Veganismus…

„Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“

Jean Ziegler, Soziologe und UN-Sonderberichterstatter

Wir alle, auch ich, sind keine Opfer des Systems. Wir sind Komplizen. Und allzu oft auch Täter. Wer, wenn nicht Sie und ich, soll beginnen mit dem „Aufstand des Gewissens“ (Ziegler)?

 

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3 Kommentare zu “Die Utopie von Scham und Schande

  1. ein blogger-freund (auch veganer und ein wahrer tierfreund) hatte mich darauf hingewiesen, dass nicht nur meine tiere auf meinem cortijo über mein veganes leben glücklich sind, sondern weltweit etwa 58 milliarden tieren meine entscheidung gefällt.

    versucht es doch auch einmal, ohne fleisch zu überleben. wenn ich das geschafft habe, dann kann dies jeder. auf die veganen fleischersatzprodukte verzichte ich komplett, solche angebote (bio, vegan oder vegetarisch) gibt es hier in andalusien sowieso nicht. natürliche alternativen finde ich aber genug. seit gut 20 jahren koche ich jeden tag selbst und wenn ich das kochen gelernt habe, dann kann das jeder. den tieren und der umwelt gefällt jeder “wahre” tierfreund.
    https://campogeno.wordpress.com/2015/05/14/jeder-kann-es-aber-nur-wenige-wollen-es/

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